Chronische ungeklärte Leiden

Chronische ungeklärte Leiden – Mitochondriopathien können dahinterstecken.

Dr. med. Bernhard Ost

Was sind Mitochondriopathien?

Unter Mitochondrieopathien versteht man Funktionsstörungen der Mitochondrien. Die Mitochondrien sind die kleinen Kernkraftwerke in unseren Körperzellen.

Entwicklungsgeschichtlich sind die Mitochondrien eindeutig Bakterien. Vor ca 2 Milliarden Jahren gab es auf der Welt die ersten Einzeller (Sauerstoffatmende Bakterien und Amöben) Und vor etwas 1,5 Milliarden Jahren die erste Synthese beider Einzeller zu einer Zelle, die sowohl Sauerstoff zur Energiegewinnung aufnehmen konnte als auch Energie durch Glykolyse (Gärung) gewinnen konnte. Später entstanden dann Mehrzeller und irgendwann auch wir Menschen.
Die Mitochondrien in unseren Körperzellen sind aber in ihrem Wesen und Verhalten Bakterien geblieben. Sie unterliegen nicht der Steuerung des Zellkerns einer Körperzelle. Somit leiden sie unter einer längeren Antibiose und auch im Besonderen einer Chemotherapie und weiteren schädigenden Einflüssen wie Stress, Umweltgifte und chronische Erkrankungen. Durch den damit verbunden Energiemangel kommt es zu chronischer Müdigkeit. Hinter einem chronischen Erschöpfungssyndrom ohne direkte organische Bezugsdiagnose kann eine Mitochondriopathie stecken.
Therapieoptionen sind rar. Einige können aber zur Besserung führen. Die Mitochondrien sind für die Energiegewinnung zuständig. Adenosintriphosphat (ATP) wird in Adenosindiphosphat (ADP) umgewandelt. Dabei wird Energie für die Zelle freigesetzt. Anschließend wird das ADP wieder an das Mitochondrium abgegeben, wo das ATP wieder regeneriert wird. Wenn die Mitochondrien in ihren Funktionen geschädigt werden, bekommen die Zellen Probleme, die Organe mit Energie zu versorgen. Dies kann aufgrund unterschiedlicher Faktoren vorkommen:

Die Zellen können nicht mehr schnell genug Ribose (körpereigener Zucker zur Energiegewinnung) aufbauen und erzeugen vermehrt Milchsäure. Allerdings hat dieser Vorgang folgende Nebenwirkungen:

  • Milchsäure ruft in den Muskeln Schmerzen und Muskelkater hervor.
  • Die aufgebrauchte Glukose kann nicht mehr zur Bildung von D-Ribose genutzt werden.
  • Bis D-Ribose aus Glukose gebildet werden kann, vergehen ein bis vier Tage. Bei Menschen mit einer Mitochondriopathie ist dies die biochemische Ursache für die verzögert auftretende Erschöpfung nach Belastung. Ein zentraler ATP-Bestandteil ist der Zucker Ribose, ohne den die Zelle kein ATP bilden kann. Verschiedene Untersuchungen konnten zeigen, dass Patienten mit chronischem Erschöpfungssyndrom wie CFS ( = Chemotherapie-induziertes Fatique-Syndrom), und/oder Fibromyalgie von einer verbesserten Versorgung mit D-Ribose profitieren. Somit erscheint eine zusätzlichen Gabe von D-Ribose für Patienten mit CFS, Fibromyalgie und Herzinsuffizienz sinnvoll, um den Körperzellen wieder ausreichend Energie zuzuführen, damit sie den erhöhten Belastungen besser gewachsen sind und Beschwerden gemindert werden. Nebenwirkungen der D-Ribose wurden auch bei länger dauernder Einnahme nicht beobachtet.

Eine Gewichtszunahme durch D-Ribose ist nicht zu erwarten, da der Körper erkennt, dass diese Substanz sich von anderen Zuckermolekülen unterscheidet und sie nur dafür verwendet wird, die geleerten Energiespeicher von Herz, Muskeln, Gehirn und anderen Geweben wieder aufzufüllen. Die angegriffenen Mitochondrien können die Atmungskette nicht mehr bestimmungsgemäß ausführen und das benötigte ATP wird für die Zelle nur verlangsamt bereitgestellt. Dementsprechend können die Körperfunktionen nur noch gedrosselt ablaufen, der Mensch leidet unter einer verringerten Ausdauer und Belastbarkeit.
Eine Mitochondrienstörung in Form einer erworbenen Mitochondriopathie wird mit Krankheiten wie Demenz, Alzheimer, Parkinson, Epilepsie, Depression, Schizophrenie, Burnout-Syndrom, CFS, Fibromyalgie, Diabetes mellitus, metabolisches Syndrom, Krebs, Schlaganfall, Nahrungsmittelintoleranzen und Neurodermitis in Verbindung gebracht.

Neben D-Ribose ist die Einnahme von Coenzym-Q10 sinnvoll. Coenzym-Q10 ist dabei ein Thema der besonderen Art. Auf der einen Seite wird es als effektivstes Therapeutikum bei der Mitochondriopathie gepriesen, auf der anderen Seite als „Wunderenzym ohne Wirkung“ angeprangert. Beides ist richtig − es kommt auf die Bioverfügbarkeit an. Bei den meisten Produkten liegt Coenzym-Q10 in kristalliner Form vor, was im Dünndarm sehr wenig bis gar nicht resorbiert wird. Eine dänische Firma (Pharma Nord) hat mit einem patentierten Verfahren diese Eiskristallform in eine Art weiche Schneeflockenvariante modifiziert, welche nachweisbar gut resorbiert wird. Eigene Erfahrungen habe ich mit vorgenannten Therapieempfehlungen bei CFS unter Chemotherapie und Fibromyalgie gemacht (besonders mit Ribose, Coenzym-Q10 und Darmsanierung).

Der Autor

Dr. med. Bernhard Ost
Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe
Komplementär-medizinisch-onkologische Schwerpunktpraxis
2. Vorsitzender der NATUM e.V. 
Lindemannstraße 3
40237 Düsseldorf

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