Vulvodynie (Brennende Schamlippen)

Die Vulvodynie (brennende Schamlippen) gilt als unheilbar – sie muss es aber nicht sein.

Dr. med. Bernhard Ost

Mit Ausdauer, therapeutischer Flexibilität und in guter Teamarbeit mit der Patientin ist es aber durchaus möglich, eine Heilung oder zumindest eine Verbesserung zu erzielen.

Die Vulvodynie und die oft kombinierte Vestibulodynie (Schmerzen im Scheidenvorhof) kommen bei 5 – 10 Prozent aller Frauen vor. Denkbar sind Verbindungen zu Histaminintoleranz, Autoimmunerkrankungen und Allergien. Candida albicans (häufigster Scheidenpilz) ist ein wichtiger Triggerfaktor von Vestibulodynie. Vulvodynie kann sehr viele Ursachen haben. In den meisten Fällen entsteht sie nach häufiger Antimykotikabehandlung (Pilzbehandlung) – dies nicht immer bei diagnostiziertem Scheidenpilz, da viele Patientinnen bei vaginalem Jucken oder Brennen selbst oder auf Rat aus der Apotheke eine antimykotische Therapie beginnen. Auch nervale Irritationen des Beckens (Nervus Pudendus) können der Grund sein, und nicht selten liegen beide Ursachen zugrunde.In diesen Fällen ist es hilfreich, orthopädische, neurologische, physiotherapeutische oder chiropraktische Expertinnen und Experten hinzuzuziehen.

Vulvodynie und Vestibulodynie gelten weltweit als unheilbar. Wissenschaftlich bewiesen ist gegenwärtig allerdings nur und mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch zukünftig, dass es keine gesicherte Standardtherapie bei Vulvodynie und Vestibulodynie gibt. Die gängige und verbreitete Meinung der Unheilbarkeit basiert auf einem fehlenden Standardkonzept. Fast alle bekannten Behandlungsoptionen bringen vielfach nur eine geringfügige oder gar keine Besserung der Beschwerden. Die weit verbreitete Anwendung diverser Psychopharmaka scheint das beste Indiz für die feste Überzeugung einer Unheilbarkeit zu sein. Setzt man die Unheilbarkeit der Vulvodynie als gegeben voraus, ist klar, dass der medizinische Erfolg lediglich in der Minderung der Symptome gesehen wird. Und selbst bei diesem Minimalanspruch gelingt es bei vielen Betroffenen oft nicht einmal eine Besserung zu erzielen, weil die Vulvodynie viele Ursachen haben kann.

Letzteres sollte uns Ärzten den Weg zum individuellen Experimentieren weisen. Dies setzt aber voraus, dass die Patientin beständig rückmeldet, ob die eingeleitete Therapie eine Besserung, Verschlechterung oder keine Veränderung bewirkt und Arzt oder Ärztin umdenken muss.

Diagnose und Behandlungsoptionen

Eine sehr genaue Anamnese ist Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie. Aber ebenso ist eine sehr fundierte Grundkenntnis aller potenziellen, physiologischen, anatomischen, alleinigen oder kombinierten Möglichkeiten der Entstehung und Einflussnahme bei der Patientin wichtig. Bei der Diagnosestellung ist der Wattestäbchentest unentbehrlich. Mit dem Wattestäbchen wird der ganze vulvovestibuläre Bereich abgetastet. Die Patientin kann so genaue Schmerzpunkte angeben. Zudem lässt sich feststellen, ob der Schmerz nur bei Berührung oder auch ohne Provokation besteht. Die aktuellen Optionen bestehen aus lokaler oder oraler Medikamentengabe sowie physikalischen Therapien und Entspannungstechniken.Die meisten meiner Vulvodyniepatientinnen sind bei gesicherter klinischer Diagnose mit geringem oder gar keinem Erfolg medizinisch vorbehandelt worden. In den häufigsten Fällen bestand die Therapie aus einem uniformen Behandlungskonzept mit Integration von Psychopharmaka.
Eine erfolgreiche Vulvodynietherapie verlangt eine sehr intensive Aufklärung der Patientin über mögliche Ursachen, Therapieoptionen und -dauer (oft bis zu einem Jahr und länger) sowie eine sehr konzentrierte Zusammenarbeit mit der Patientin. Der Arzt oder die Ärztin und die Patientin sollten ein echtes Behandlungsteam sein, indem die Patientin regelmäßig über Erfolg oder Misserfolge berichtet und gemeinsam neue Therapieversuche geplant werden.

Eigenes therapeutisches Vorgehen

Nach gesicherter Diagnose biete ich eine Problemsprechstunde an, die sich meist auf eine gute Stunde beläuft (IGeL). Ein Therapieplan wird erstellt, der anfänglich kurzfristige Rückmeldungen zu subjektiver Besserung oder Verschlechterung erfordert. Regelmäßige ärztliche Untersuchungen richten sich zeitlich nach dem Beschwerdebild. Meine bevorzugten Therapieoptionen sind tagsüber das endogene (endogen bedeutet dass es der Körper selber herstellt) Cannabinoid Palmitoylethanolamid (PEA, z. B. Evalife lokal oder ggf. PEA oral), diverse phytotherapeutische wässrige Extrakte (z. B. Zinnkrautextrakt) und bestimmte Aromaöle wie (z. B. Mandelöl). Zinnkraut (Ackerschachtelhalm) enthält sehr viel Kieselsäure, die bei Haut und Schleimhautirritationen heilend und antibakteriell wirkt. Angewendet wird das wässrige Zinnkrautextrakt als feuchter Umschlag in der Nacht. Wässrigen Zinnkrautextrakt hat die Apotheke nicht vorrätig und muss selbst hergestellt werden. Kieselsäure ist ein natürlicher Inhaltsstoff der Haut und Schleimhäute. Weitere natürliche Bestandteile der Schleimhäute sind Hyaluronsäure und Squalen. Auch diese Stoffe können sinnvolle Therapieergänzungen sein, wobei aber darauf zu achten ist, dass sie in reiner Form eingesetzt werden, denn die meisten Fertigpräparate sind in der Kosmetikbranche angesiedelt und enthalten viele weitere unerwünschte Zusatzstoffe.
Da es definitiv keine Standardtherapie gibt, besteht die Basis zum Therapieerfolg in einem situationsabhängigen Experimentieren auf der Basis der pflanzlichen und physiologischen Grundlagenforschung. Die Vulvodynie gilt als unheilbar – aus meiner Erfahrung ist sie aber in einigen Fällen heilbar.

Der Autor

Dr. med. Bernhard Ost
Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe
Komplementär-medizinisch-onkologische Schwerpunktpraxis
2. Vorsitzender der NATUM e.V. 
Lindemannstraße 3
40237 Düsseldorf

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